"DEUTSCH-DÄNISCHE KONTEXTE" - AUFTAKTKONFERENZ AM 20.03.2013

Steffen Nordahl Lund
Steffen Nordahl Lund

 

Trotz des eisigen Winterwetters fanden gut 85 Teilnehmer den Weg zur Auftaktkonferenz des SMiK-Projekts am 20. März 2013 an der Süddänischen Universität in Odense. Die Teilnahme hat sich gelohnt: auf die Eröffnung der Konferenz durch den Institutsleiter des Instituts für Sprache und Kommunikation, Steffen Nordahl Lund, folgten eine ausführliche Projektpräsentation von SMiK und spannende und abwechslungsreiche Vorträge zu einem breiten Themenbereich der deutsch-dänischen Kontexte, die den Rahmen für das Projekt bilden.

Jörg Kilian und Erla Hallsteinsdóttir
Jörg Kilian und Erla Hallsteinsdóttir

Die Projektleiter Erla Hallsteinsdóttir und Jörg Kilian stellten die Projektmitarbeiter, die Projektpartner sowie Inhalte und Ziele des Projekts vor. Sie betonten die weite Auffassung von Stereotypen als durch die Sprache und Kultur vorgegebene Muster für das Denken und Handeln. Diese Muster bestimmen positive und negative Erwartungen, Haltungen, Vorstellungen und auch Vorurteile von uns selbst und von anderen und sie sind somit eine wichtige Grundlage für interkulturelle Kommunikation.Die Folien zur Präsentation findet man in der pdf-Datei.

SMiK-Projektpräsentation am 20. März 2013
SMiK_Projektpräsentation.pdf
Adobe Acrobat Dokument 511.0 KB
http://www.ndr.de/wellenord/audio153041_podcastID-podcast3084.html
Moritz Schramm

In seinem Vortrag "Deutsch-dänische Fremdbilder: Ein paar Bemerkungen zum Forschungsstand" gab Moritz Schramm einen Überblick über die aktuelle Forschungslage und präsentierte seine Thesen zum Zusammenspiel von Selbst- und Fremdbild im deutsch-dänischen Kontext. Demnach gebe es, im  Gegensatz zur verbreiteten Annahme, dass sich stereotype Fremdbilder unabhängig vom jeweiligen Selbstbild analysieren ließen, eine enge Verflechtung von Selbst-/Fremdbild, die gerade im dänischen Blick auf Deutschland deutlich hervortrete. In Anlehnung an die bisherige Forschung diskutierte Moritz Schramm weiterhin einerseits die historischen Funktionen des negativen Deutschlandbildes in Dänemark, andererseits sprach er aber auch die aktuellen Verschiebungen im dänischen Deutschlandbild an. Einige Punkte aus seinem Vortrag, gut gewürzt mit authentischen Anektdoten, sind im Ostseemagazin vom NDR (hier) zu hören.

Sonja Vandermeeren
Sonja Vandermeeren

"Kulturdimensionen und stereotype Vorstellungen im dänisch-deutschen Vergleich" lautete der Titel des Vortrags von Sonja Vandermeeren zu theoretisch-methodischen Voraussetzungen einer Untersuchung, die bei der SMiK-Fragebogenuntersuchung eine große Rolle spielen wird.Einleitend betonte Sonja Vandermeeren, dass interkulturelle Kompetenz in Wirtschaftskreisen als eine wesentliche Schlüsselqualifikation angesehen werde. Sie helfe, Absatzmärkte zu erschließen und mit ausländischen Geschäftspartnern effektiv umzugehen. Interkulturelle Kompetenz biete Handlungssicherheit in internationalen Kontaktsituationen. Kulturwissen und Wissen um Stereotype seien zwei wesentliche Bestandteile der interkulturellen Kompetenz.Dann ging sie kurz auf die Begriffe „Kultur“ und „Stereotype“ ein und verknüpfte sie vor dem Hintergrund des Konzepts „Kulturdimension“ miteinander. Es folgten die Ergebnisse einer Fragebogenaktion, die aus der Lehrveranstaltung „Interkulturelle Kommunikation“ an der Universität Kiel hervorgegangen ist. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde in Anlehnung an Hofstede, Trompenaars und Hall ein englischsprachiger Fragebogen zu Kulturdimensionen und Stereotypen für Studierende der Universität Kiel und der Syddansk Universitet entwickelt. Die Auswertung dieser empirischen Studie mit dänischen und deutschen Studierenden als Probanden bietet einerseits die Möglichkeit einer Kulturanalyse und eines Kulturvergleichs. Andererseits können stereotype Vorstellungen von Dänen und Deutschen beschrieben und verglichen werden. Außerdem kann versucht werden, die mehrheitliche Selbstwahrnehmung der Probanden mit der mehrheitlichen stereotypen Eigenkulturwahrnehmung bzw. Fremdkulturwahrnehmung zu vergleichen.

 

Christian Alnor
Christian Alnor

Christian Alnor ging in seinem Vortrag "Fremdsprachenunterricht im dänischen Gymnasium mit speziellem Fokus auf Deutsch" zunächst auf die Konsequenzen der Reform der dänischen Gymnasien für den Fremdsprachenunterricht ein. Anhand von konkreten Zahlen stellte er dar, dass die Reform darin resultiert, dass dänische Schüler immer weniger Fremdsprachen lernen. Dann zeigte er Beispiele für Maßnahmen am Middelfart Gymnasium, die eingesetzt werden, um das Interesse für Deutsch zu wecken und die Schüler zum Sprachenlernen zu motivieren. Dann folgte abschließend ein Plädoyer für eine stärker auf die Fremdsprachendidaktik fokussierte Ausbildung der Gymnasiallehrer. 

Peter Hansen
Peter Hansen

Im Vortrag "Region Sønderjylland-Schleswig – Aufgaben und Erfahrungen aus 15 Jahren grenzüberschreitender Zusammenarbeit" berichtete Peter Hansen über die Aktivitäten der seit 1997 existierenden Region Sønderjylland - Schleswig, einer wichtigen Institution der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit für die Menschen in der deutsch-dänischen Region. Neben einer Vielzahl von Themen, die bearbeitet wurden und werden, stehen konkrete Angebote, wie bspw. die Förderung von Aktivitäten in den Bereichen Kultur, Jugend, Schule und Sprache sowie Begegnung, aber auch die praktische Hilfe für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Behörden in Arbeitsmarktfragen im Mittelpunkt der Arbeit des Regionskontors als Sekretariat der Region. Hier haben sich über die Jahre Erfahrungen und Beobachtungen angesammelt, die deutlich machen, wie gleich oder doch verschieden die Menschen auf der jeweils anderen Seite der Landesgrenze sind. Peter Hansen erzählte in seinem Vortrag von diesen Erfahrungen und beschrieb die Veränderungen und Herausforderungen, vor denen die Region steht.

 

Benny E. Sørensen
Benny E. Sørensen

Benny Sørensen präsentierte in seinem Vortrag „Der geschäftliche Austausch zwischen Deutschland und Skandinavien/Dänemark“ zuerst die Aufgabengebiete von Sørensen Connecting Markets, die eine 1994 gegründete praxisorientierte Beraterfirma ist. Die Mitarbeiter unterstützen und beraten deutsche und dänische Unternehmen bei der Identifikation von Zusammenarbeitspartnern, der Stratiegieentwicklung für die grenzüberschreitende Vermarktung und der Eroberung von neuen Märkten. Benny Sørensen erzählte, dass er durch mehr als 20 Jahre Erfahrung eine große Anzahl von Beispielen aus der Praxis dafür gesammelt habe. Diese zeigten, dass der gegenseitige Respekt und das Verständnis für die andere Kultur häufig eine Voraussetzung für Erfolg sind. Dann stellte er anhand von konkreten Beispielen dar, vor welchen Herausforderungen durch Kulturunterschiede in der Gesellschaft skandinavische/dänische Firmen stehen, wenn sie auf dem deutschen Markt Fuß fassen wollen und umgekehrt. Neben lustigen Beispielen für Missverständnisse beschrieb er auch ernsthaftere Kulturphänomene, die dafür verantwortlich sein können, dass eine Markteinführung zu langsam vor sich geht und Firmen in Deutschland bzw. in Skandinavien/Dänemark in Schwierigkeiten geraten oder scheitern (Stichwort "Schweinekastrierungsmaschine"). Seinen Vortrag beendete er mit der Feststellung, dass sich die Kulturen doch langsam einander annähern würden.

 

Michael Zenner
Michael Zenner

In seinem Vortrag "Deutschland und Dänemark – eine zukunftsgewandte Partnerschaft" diskutierte Botschafter Michael Zenner die Beziehungen zwischen Deutschland und Dänemark. Die aktuellen deutsch-dänischen Beziehungen und das gegenseitige Interesse seien von einer großen Freundschaft, Intensität und Tiefe gekennzeichnet. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern, vor allem auch im Rahmen der Europäischen Union und im internationalen Umfeld, sei sehr eng, vertrauensvoll und problemfrei. Beide Länder würden in der aktuellen Schuldenkrise in Europa ähnliche Strategien verfolgen, um diese zu bewältigen, so Michael Zenner.

Die große Zahl der Reisenden, die die beiden Länder gegenseitig besuchen, bezeugen die große Neugierde und das Interesse am Nachbarland. Deutschlands Kultur in ihrer Breite und Vielfalt ist in Dänemark sehr geschätzt. Berlin, die Hauptstadt eines weltoffenen, wiedervereinigten Deutschlands im Herzen Europas begeistert mit seiner Kreativität und Natürlichkeit viele Dänen. Dänemark und seine Kultur haben in Berlin einen hohen Stellenwert: über 300 dänische Künstler leben und arbeiten hier. Und auch im restlichen Deutschland haben u.a. Design oder Architektur aus Dänemark viele Anhänger. Die Wirtschaftsbeziehungen gestalten sich gleichermaßen sehr intensiv. Deutschland ist mit Abstand Dänemarks wichtigster Außenhandelspartner. Über 2500 dänische Firmen sind in Deutschland angesiedelt. Gerade in Zukunftsbranchen wie in Biotechnologie, im Umwelt- und Klimaschutz ist die Zusammenarbeit ausgezeichnet. Der Fehmarnbelttunnel - das größte bilaterale Projekt - wird in wenigen Jahren beide Länder einander noch näher bringen. Die Hochschulzusammenarbeit entwickelt sich ebenfalls positiv und stärkt den akademischen Zusammenhalt beider Länder. Der Vortrag ist in voller Länge auf der Homepage der Deutschen Botschaft Kopenhagen veröffentlicht.

Abschließende Diskussion: Jörg Kilian, Erla Hallsteinsdóttir, Michael Zenner, Benny Sørensen, Sonja Vandermeeren, Moritz Schramm und Christian Alnor
Abschließende Diskussion: Jörg Kilian, Erla Hallsteinsdóttir, Michael Zenner, Benny Sørensen, Sonja Vandermeeren, Moritz Schramm und Christian Alnor

Syddansk Universitet

Dr. phil. Erla Hallsteinsdóttir 

Institut for Sprog 

og Kommunikation

Campusvej 55

5230 Odense M

Danmark

 

Christian-Albrechts-

Universität zu Kiel

Prof. Dr. Jörg Kilian

Germanistisches Seminar

Olshausenstraße 40

24098 Kiel

Deutschland

 


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